Lokale historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass der Entwurf der Bürgerhäuser an der damaligen Allee der Nationalen Einheit 12 und 42 (aleja Jedności Narodowej) Georg Sommenstuhl zugeschrieben wird.
Eine Adresse mit Geschichte
Die Aleja Fontann stellt den einstigen Glanz des Bürgerhauses wieder her, das die stürmische Geschichte Szczecins überdauert hat und heute seinen Rang zurückgewinnt. Das Gebäude wurde in den Jahren 1895–1897 als Teil einer repräsentativen städtebaulichen Anlage in diesem Teil der Stadt errichtet. Es ist ein Projekt, bei dem historische Schönheit, architektonische Details und die zeitlose Größe der Innenräume ein neues Kapitel aufschlagen.
Genau damals, an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, entstand die Bebauung, die diesem Teil Szczecins bis heute seinen einzigartigen Charakter verleiht, in dem historische Formen mit der für das Ende des 19. Jahrhunderts typischen floralen Dekoration verschmelzen.
Seine Form, die Details und der ornamentale Reichtum dienten nicht nur als Dekoration. Sie waren die Sprache des Prestiges, mit der innerstädtische Bürgerhäuser über den Rang des Ortes und die Ambitionen der Stadt sprachen.
In der dekorativen Fassade, den floralen Motiven, den aufwendigen Balustraden sowie dem Reichtum der keramischen und glasierten Verkleidungen schwingt der Geist einer Epoche mit, für die Schönheit ein natürliches Attribut städtischer Pracht blieb. Es ist eine Architektur, die mit Schwung, Proportionsempfinden und der Überzeugung geschaffen wurde, dass das Detail ebenso wichtig ist wie das Ganze.
Die Geschichte dieser Adresse endet jedoch nicht mit der Architektur selbst.
Mit der ehemaligen Adresse Kaiser Wilhelm Straße 12 waren auch Bewohner und Nutzer verbunden, die sich in die kulturelle und geschäftliche Landschaft des Vorkriegs-Szczecins einschrieben. Hier verflochten sich die Schicksale von Kulturschaffenden, Ärzten, Unternehmern, Architekten und Kunstsammlern. Unter anderem waren die Kunstsammler Siegbert und Hildegard Feldberg mit dieser Adresse verbunden. Im Haus befand sich auch das Büro des Architekten Siegfried Pawel, in dem ab 1934 Hanan Pavell, der spätere israelische Architekt und Stadtplaner, arbeitete. In den Gewerberegistern unter dieser Adresse taucht auch der Arzt Hans Guttentag auf. Dadurch bleibt das Bürgerhaus nicht nur ein Zeugnis eines vergangenen Baustils, sondern auch ein Träger des städtischen Gedächtnisses an eine Welt, die den Rang der Szczeciner Innenstadt mitprägte.
Eine in Biografien geschriebene Adresse.
Das Erbe der Menschen, die die Stadt prägten.
DAS GEDÄCHTNIS DER EINSTIGEN INNENSTADT
Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Kontinuität des alten Szczecins und beraubte diesen Teil der Stadt eines großen Teils seiner historischen Bebauung. Die Zerstörungen der Allee und des Grunwaldzki-Platzes veränderten die damalige städtebauliche Ordnung dieses Raums nachhaltig. Vor diesem Hintergrund gehört das Bürgerhaus in der heutigen Al. Jana Pawła II 12 zu jenen wenigen Adressen, die trotz einer stürmischen Geschichte ihre architektonische Identität bewahrt haben und Zeugen der Blütezeit der Szczeciner Innenstadt blieben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier eine städtische Poliklinik eingerichtet, die bis Anfang des 21. Jahrhunderts in Betrieb war; die letzten 20 Jahre stand das Gebäude jedoch leer. Dank der begonnenen Revitalisierung beginnt ein neues Kapitel in seiner Geschichte.
Heute resultiert sein Wert nicht nur aus seinem Alter oder den erhaltenen Details. Er ergibt sich aus dem Rang des Ortes, aus der Kontinuität seiner Präsenz im städtischen Gewebe und aus der Geschichte, die in der Architektur dieser Adresse noch immer lesbar ist.
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